Die sternenhelle Nacht färbt deine Pallettte blau und grau.
Du betrachtest den Sommertag mit Augen,
die um die Düsternis meiner Seele wissen.
Schatten auf den Hügeln zeichnen Bäume und Narzissen nach,
fangen den Wind und die Kälte des Winters ein
mit Farben auf einer schneeweißen Landschaft aus Leinen.
Und jetzt verstehe ich was du mir sagen woltest.
Wie verzweifelt du um deine geistige Gesundheit gerungen hast,
wie sehr du versucht hast, die Menschen zu befreien:
Sie haben dir nicht zugehört, haben nichts verstanden-
vielleicht tun sie's jetzt.
Die sternenhelle Nacht entzündet Blumen zu lodernen Flammen.
Wirbelnde Wolken in einen violetten Nebel getaucht,
spiegeln sich in Vincents kobaldblauen Augen.
Bernsteinfarbene Kornfelder färben sich in der Morgensonne bunt.
Verwitterte Gesichter, vom Schmerz gezeichnet,
werden unter der liebenden Hand des Künstlers auf einmal milde.
Die Menschen konnten deine Liebe nicht erwiedern,obwohl sie doch so echt war.
Und als du in jener sternenklaren Nacht keinen Funken Hoffnung mehr hattest,
hast du dir das Leben genommen- wie es Liebende oft tun.
Aber ich hätte dir gleich sagen können, Vincent, dass diese Welt für einen sensiblen Schöngeist wie dich nicht gemacht ist.
Sternenklare Nacht, Porträts hängen in leeren Ausstellungshallen,
rahmenlose Gesichter an namenlosen Wänden,
mit Augen, die die Welt beobachten und nicht vergessen können.
Wie zum Beispiel dem Fremden, dem du begegnet bist,
oder die zerlumpten Menschen in abgerissenen Kleidern.
Der silberne Dorn einer blutroten Rose liegt zerbrochen im jungäulichem Schnee.
Und ich glaube ich weiß jetzt, was du mir sagen wolltest:
Wie du um deine geistige Gesundheit gerungen hast,
wie sehr du versucht hast, die Menschen zu befreien.
Sie haben dir gar nicht zugehört,
tun's heut nicht
tun's vielleicht nie...
sachmed - 7. Nov, 08:53
Ich bin auch skeptisch, ob er viele Probleme lösen kann. Michael Moore hat so für seinen Sieg gekämpft. Mail um Mail geschrieben.
Ich hoffe, dass Obama nicht umgebracht wird, wie es in den USA mit fortschrittlichen Menschen oft geschieht. Ich hoffe, dass er den Krieg gegen den Iran verhindert! Ich hoffe auch, dass er ein wenig für die Amerikaner tun kann, um ihren sozialen Status zu verbessern. Ich denke, dass er da wohl auf breiten Widerstand der geldgeilen Manager treffen wird.
Die Republikaner haben schon festgestellt, dass er ein Kommunist ist...huuu!
Ob er das wohl selber auch weiß? Er redet ja nicht mal von Sozialismus.
Sondern von sozialer Gerechtigkeit- war er ja selber jahrelang als Sozialarbeiter tätig, obwohl er einen bestbezahlten Job hätte ausüben könnnen. Das muss ein Kommunist sein- pfui Teufel.
Man darf nun wirklich gespannt sein, keine Wunder erwarten, denn das Volk steht sich oft mit seiner Unwissenheit selbst im Weg, und jemanden als Kommunisten zu defamieren, klappt immer noch vorzüglich- huuuu!
Wo ist es denn das Gespenst???? Es gab es nie wirklich, nur graue Theorie?
Ach was!
sachmed - 5. Nov, 10:42
Anmut sparet nicht noch Mühe,
Leidenschaft nicht noch Verstand,
dass ein gutes Deutschland blühe
wie ein andres schönes Land.
Das die Völker nicht erbleichen
wie vor einer Räuberin,
sondern ihre Hände reichen
uns wie andern Völkern hin.
Und nicht über und nicht unter
andern Völkern woll'n wir sein
von der See bis zu den Alpen,
von der Oder bis zum Rhein.
Und weil wir dieses Land verbessern,
lieben und beschirmen wirs.
Und das liebste mags uns scheinen
so wie andern Völkern ihrs.
so geschrieben von Berthold Brecht und gesungen als beliebtes Kinderlied in der DDR.
Ich habe dieses Lied auch sehr geliebt und liebe es immer noch.
Heute erfuhr ich im TV, dass Herr Scharping es auch sehr gemocht hat und bei jeder Gelegenheit zitierte. Hätte ich das mal eher hören dürfen, wäre er mir sicher in einem viel besseren Licht erschienen. Aber es geht mal wieder typisch für ihn, sehr langsam mit der Information. Schade eigentlich!
sachmed - 17. Okt, 11:26
Da ich bisher Roger Willemsen eigentlich gut leiden konnte und in der Titanik eine Kritik über ihn und seine Selbstlosigkeit las (er machte nie gesehen-nie gehört- Werbung für die Epoc), dachte ich Kunst, Archäologie und Wissenschaft ist ja auch das, was dich sehr interessiert, also sieh doch mal hin.
Es ist eine bunte Zusammenstellung von Wissenzeitschriften. Vielleicht nicht schlecht, aber die wirklichen Neuigkeiten, also Namen wie Heinsohn, Zillmer, Illig, Vogt-Lürssen, Wirth habe ich da noch nicht gefunden. Zahnlos und abgelutscht also.
Sie suchten Helden der Geschichte. Für Guido Westerwelle ist das arme Schwein Kaspar Hauser ein Held. Nicht, dass ich den nicht auch mag, aber so wehrlos wie der bis zum Schluss war, wohl doch eher ein Opfer als ein Held. Oder macht das geduldige Ertragen uns zum Helden? Bei Guido sicher!
Gut, er hatte nicht viele Möglichkeiten, der Kaspar. Die, die er hatte hat er gut genutzt, gegen das Haus Baden hätte er damals nichts ausrichten können, es gab keine DNA Analyse. Heute hat man festgestellt, dass das Blut auf dem Hemd des Ermordeten später aufgekippt worden ist, um dem Ganzen genügend Dramaturgie zu verleihen. Im Inneren des Hutes fanden sich Spuren der DNA und so konnte (Terra X- zuweilen auch richtig gut) in einem Vergleich der Mitochondrien mit einer Verwandten des Hauses Baden, durchaus eine Verwandschaft zu selbigem nachgewiesen werden.
Kaspar Hauser muss sehr sensibel gewesen sein. Seine Zeichnungen haben mich sehr berührt. Seine lange Gefangenschaft hat diesen armen Kerl hoch sensibilisiert. Ich hoffe, dass niemand mehr auf so tragische Weise Opfer sein muss. angezweifelt über den Tod hinaus. Das Haus Baden ist auch heute nicht wirklich an einer Klärung interessiert. Fehler, selbst wenn sie aus der Vergangeheit sind, mögen die wohl immer noch nicht eingestehen.
Ich habe 7 Mails zu Epoc geschickt über meine Helden, sind alle von einem Mailerdämon zurückgebracht worden.
Nun, hier liest zwar auch keiner, aber ich schreibe doch ein paar Helden auf:
Michelangelo: Weil er genial war. Klug, sensibel , selbstkritisch.
Er hat die schönsten Kunstwerke geschaffen wie den David in Florenz, oder die Sixtinische Kapelle und vieles mehr. Ich mag seine Selbstzerissenheit, seinen Stolz, seine Schaffenskraft. Ich habe mich in "meinen Träumen" hier in diesem Blog schon über ihn ausgelassen. Die Welt wäre um einiges ärmer ohne ihn!
Es gibt dumme Menschen, die in dem David einen Adonis sehen und dazu noch Designer sind. Blöder geht nicht!
Ich bewundere die Geschwister Scholl sehr, die ihr Leben für den Kampf gegen Hitler und die Dumpfheit gegeben haben.
Ich bewunder einen Georgi Dimitrow sehr, der zu Hitlers Hochsaison einen Prozess gegen ihn gewonnen hat. Dimitrow und mit ihm die Kommunisten wurde beschuldigt, den Deutschen Reichstag abgefackelt zu haben. Das war genauso ein Fake wie der angebliche Überfall der Polen auf einen deutschen Radiosener. Georgi, der später auch bulgarischer Politiker war, musste freigesprochen werden. Ein Unding zu dieser Zeit!
Er hatte sich selbst verteidigt und Hitler ad absurdum geführt.
Hier zu Lande habe ich über diesen tollen Mann noch nie etwas gehört. Hier sprechen wir ja auch immer und immer wieder über die armen deutschen Opfer. Kotz! Die tun mir auch leid, aber ich vermisse die Relation! Ein deutsches Opfer- mindestens 6 ausländische!
sachmed - 16. Okt, 10:43
Ich lernte sie vor etwa 14 Jahren kennen. Es war bei meinem Bruder in Berlin zum Weihnachtsfest. Sie war so süß und gefiel mir vom ersten Augenblick an. Sie war zu allen sehr nett, auch wenn sie noch sehr klein war. Ein kleines Mädchen gewissermaßen. Axel hatte sie mitgebracht und sie ist gleich fröhlich auf jeden zugerannt, um ihn zu begrüßen.
Was mir dann aber wirklich imponierte, war ihr Auftreten in der Küche. Ihr Vater war nämlich auch da und benahm sich äußerst flegelhaft. Er missgönnte ihr an diesem schönen Fest doch tatsächlich die Mittagsmahlzeit.
Er wollte sie, als sie zum Teller ging, maßregeln und verhauen. Aber sie hat sich ihm in einer sehr eindrucksvollen Weise unerschrocken widersetzt. Höflich aber bestimmt nahm sie ihren Platz ein und genoß ihr Mal. Ihrem lieblosen Vater blieb nichts weiter übrig, als sich schmollend zu trollen. Das fand ich sooo Klasse! Von da an liebte ich sie heiß und innig. Mein Kätzchen Susi!
Mein Neffe Axel überließ sie mir auf bitten meines Bruders. Ich danke ihm das noch heute, denn wo wäre ich ohne Susi. Wahrscheinlich schon gar nicht mehr da.
Begeistert war sie anfänglich nicht, dass sie schon wieder umziehen musste.
Erst von meinem Bruder zu Axel und dann zu mir.
Sie hatte anfänglich immer so einen betont gelangweilten Gesichtsausdruck.
Aber der verschwand auch schnell, wenn wir mit ihr spielten oder ihr das Bäuchlein kraulten- natürlich nur so lange wie sie es gnädig zuließ.
Sie hat so viel Sonne in mein Leben gebracht, aber sie ist auch sehr empfindlich- gefühlsmäßig.
Ich bin damals das erste Mal in den Westen gefahren, um nach einem Job oder Wohnmöglichkeiten zu sehen. 7 Wochen war ich bei Bekannten. Als ich dann zurückkam, hat sie mich schon an der Art wie ich mit ihr schmuste wieder erkannt. Dann hat sie mich auf Eis gelegt. Ich durfte sie streicheln und mit ihr spielen, aber sie hat nie geschnurrt. Der Chef war mein Sohn, der ja die ganze Zeit bei ihr geblieben war. Sie liebte ihn über alles und schnurrte nur bei ihm, selbst wenn ich den ganzen Tag bei ihr war und er sehr spät nach Hause kam.
So spielten sich dann einige Rituale ein an denen sie noch heute festhält.
Ich durfte, wenn ich mich für das Bett gewaschen hatte, nicht mehr mit ihr schmusen. Ich durfte mit ihr kämpfen. Sie legte die Ohren an und sah aus wie ein kleiner Waldkautz. Dann biss sie herzhaft zu und das war nicht immer lustig. Aber streicheln war strikt verboten.
Sie konnte auch, wenn sie mir zeigen wollte wie egal ich ihr war, die Tür zum Zimmer meines Sohnes öffnen. Sie sprang auf das Schränkchen und drücke die Klinke herunter. Dann, wenn ich mal kurz herein sah, sah es aus als wolle sie sagen: Ätsch!
Später durfte ich dann wieder mit ihr schmusen, aber geschnurrt hat sie nie.
Wie das Leben so spielt, ich wollte eine Arbeit finden und zog in die Nähe von Heidelberg. Mein Sohn war erwachsen und ging seiner Wege. Es war besser für Susi (so hoffe ich noch heute), dass ich sie mitnahm. Sascha wollte das auch so.
In der neuen Wohnung war Susi natürlich erst einmal sehr irritiert. So ziemlich alles war neu nur die Räume waren weniger. Sie hat einen Tag gebraucht, um auf Erkundung zu gehen. Ich versuchte es ihr so angenehm wie nur möglich zu machen.
Nun muss ich gestehen, dass Susi ein Stubentiger ist und keine freilaufende Katze. Darunter leide auch ich. Aber sie war es schon als ich sie bekam. Anfänglich wollte ich sie hier laufen lassen, dann aber hörte ich von vielen Katzen die "Laborratten" geworden sein sollen für die Uni Heidelberg.
Ich wäre verrückt geworden wenn sie verschwunden wäre. So ließ ich es denn beim Stubentiger. Ich habe ihr einen riesigen Kratzbaum gekauft, von dem aus ein Brett bis hinüber zur Anbauwand gelegt. Sah Scheiße aus, war aber sehr abwechslungsreich für sie. Sie konnte schön herumklettern.
Eines Morgens, ich frühstückte gerade, da testete sie aus, von der Anbauwand auf die Lampe zu springen. Das ging natürlich schief und sie landete mitten in meiner Müslischüssel. Wir sahen beide richtig gut aus, so vollständig bekleckert von oben bis unten.
Sie hat mich so oft zum Lachen gebracht.
Sie ist die einzige die so viel Mitgefühl in den Augen haben kann wenn ich mal traurig bin.
Habe ich mich mal sehr über etwas gefreut (letztes Beispiel das neue Sofa) und sprang in der Wohnung herum, dann ist sie auch herumgesprungen. Und sagt nicht, dass sich Tiere nichts merken können. Gerade beim Sofa hat sie mir zuerst einen langen Blick zugeworfen, der sagte:"Was machst du da schon wieder".
Da die Veränderung aber nur 'ne kleine war, sprang sie also am nächsten Tag freudig auf dem Sofa herum.
Wir haben gemeinsam Krankheiten durchlitten auf die ich hier nicht näher eingehen will. Beim letzten Mal dachte ich, dass sie mich verlässt. Aber sie ist ganz langsam wieder gesund geworden.
Sie schimpft auch viel mit mir. Es hat sich so eine Art Kommunikation zwischen und entwickelt. Sie kann schon sehr beleidigt sein, dann kackt sie vor ihrer Toilette ab. Ansonsten ist sie immer sauber und pullert auch nicht herum. Aber, ist das Essen nicht rechtzeitig auf dem Teller oder das Trinken nicht rechtzeitig serviert, habe ich schon die schlechteren Karten. Zack-gehts auf den Läufer. Meistens sind es ja nur Mäusekinkel und schnell beseitigt, aber nett finde ich es nicht, nur allemal besser als Pullern, wehe wenn sie das herausfindet.
Jetzt also ist morgens immer der Wettlauf. Schnell Fresschen servieren und ja auch nicht das Trinken vergessen und dann geht alles in Ordnung.
Ich versteh sie ja. Sie hat Langeweile den ganzen Tag. Ich habe ihr schon ein Aquarium gekauft für ein wenig Abwechslung, sie hat es ignoriert.
Ich habe ihr die Terasse schön gemacht mit Katzenvilla mit Ausblick. Dann liegt sie auch und sonnt sich bis sie sich in den Schatten verkrümelt.
Jetzt nun liegt mein heiss geliebtes Tierchen wieder auf der Terasse und genießt die frische Luft. Sonne ist heute leider nicht in Sicht.
Ich würde ihr so gerne einen Innengarten oder auch eine Dachterasse zur Verfügung stellen, aber leider sind meine Möglichkeiten bescheiden.
Dafür darf sie dann auch wieder ungeduldig meckern, wenn ihr danach ist.
Ich liebe dieses kluge hübsche Kätzchen über alles und sie schnurrt auch schon lange wieder.
sachmed - 14. Okt, 15:11
Heute bin ich immer noch erschüttert, weil Dörflein tot ist.
Ich kenne ihn wie alle anderen, weil er neben Knut so eine ausgesprochen sympathische Figur abgegeben hat.
Mir fiel die Ähnlichkeit seiner Art mit Knut umzugehen, mit der Art meines Bruders Uwe mit seinen Kindern umzugehen auf.
Diese zärtliche Amüsiertheit kam mir schon sehr bekannt vor.
Der Typ war auch zu schön anzusehen. Die Frauenherzen sind ihm zugeflogen, aber ihn schien das kalt zu lassen. Er wirkte immer sehr bescheiden, trotz seiner Schönheit.
Traurig war wohl nicht nur für Knut die frühe Trennung der beiden. Knut hat gejammert, das konnte man hören und Dörflein hat das Herz geblutet, da bin ich mir sicher.
Heute früh sagten die von Sat1, dass er Krebs hatte und wahrscheinlich einen Herzinfarkt. Letzteres finde ich plausibel, wie sonst könnte man so schnell sterben. Der Krebs wurde anscheinend früh erkannt und er hatte ihn erfolgreich bekämpft-ohne Chemo.... Im Frühjahr war er angeblich im Urlaub, da soll das gewesen sein.
Mir blutet auch das Herz, dass so ein Lichtblick wie er diese Welt so früh verlassen musste, während reiche Psychopathen, die nichts anderes zu tun haben als alles in den Dreck zu ziehen, 60 und älter werden dürfen.
Es war ein Herzinfarkt. Er ist dafür viel zu jung gewesen.Seine Freundin tut mir leid.
Viele werden um diesen tollen Typen trauern. Er wird unvergessen bleiben! Hoffenlich verkraftet Knut das alles gut und hoffentlich gibt es für ihn noch ein schönes Leben. Nicht so langweilig wie jetzt.
Ich hoffe sehr, dass der nette mollige Kollege, der schon beim Kaltbaden so über seinen Schatten gesprungen ist, Herrn Dörflein so gut wie möglich ersetzen kann.
Wen die Götter lieben, den nehmen sie früh zu sich!
sachmed - 23. Sep, 08:53
Eigentlich ist er der jenige, der mir fremd sein müsste. Ist er aber nicht wirklich.
Er war 14 und schon fast aus dem Haus, als ich geboren wurde.
Mutter erzählte, dass er sich zuerst geschämt hat, dass seine alte Mutter noch ein Kind bekam. Das soll sich dann aber bei meinem Erscheinen schlagartig geändert haben. Ja, ich war eben doch ein süßer Fratz.
Mein Bruder war bester Pionier im Kreis Staßfurt seiner Zeit und es hing ein riesiges Foto von ihm im Pionierhaus. Das erzählte mir meine Mutter voller Stolz. Er war ein sehr guter Schüler und durfte trotzdem nicht auf das Gymnasium. In den 50 zigern machte das die Politik der DDR unmöglich. Höhere Bildung durften nur die Kinder der Arbeiter und Bauern genießen (hier läuft das gerade umgekehrt, wie ich neulich in einem TV Beitrag erfahren durfte). Meine Eltern waren Angestellte und damit tabu. Zehn Jahre später gab es diese Regelung nicht mehr.
Mein Bruder hat dann den Beruf eines Gärtners ergriffen und zog zu seiner Frau Anita nach Burg.
An ihre Hochzeit erinnere ich mich noch ein wenig. Da war eine lustige, frech-fröhliche Tante von Anita, die laufend Späße machte. Ich wollte auch heiraten. Sie taten mir den Gefallen und ich heiratete meinen Vater. Der war damals noch nicht so streng zu mir (ich war noch sehr klein 3 Jahre).
Es wurde eine Urkunde aufgesetzt und alle stellten sich in eine Schlange, um uns zu gratulieren. Das hat mir sehr gefallen.
Ansonsten kenne ich meinen Bruder nur besuchsweise. Er hat oft etwas
Schönes mitgebracht. Mal einen Teddy oder eine riesige Negerpuppe(Afrikanerpuppe?).
Er konnte immer so lustige Geschichten erzählen und Anita stand ihm darin in nichts nach. Ich glaube das Rezept, dass beide noch zusammen sind ist ihr gemeinsamer Humor.
Oft haben wir Tränen gelacht über die Geschichten. Wenn er zum Beispiel erzählte wie seine Begegnungen mit den in Burg stationierten Russen war.
Er hatte ein Fernstudium gemacht und beim Rat der Stadt angefangen zu arbeiten. In seiner Position musste er für die Deutsch-Sowjetische Freundschaft sorgen. Das hieß in erster Linie auch mit ihnen feiern zu können. Sto Gramm! 100 Gramm Wodka und Häppchen Brot, Speck und Zwiebeln. Anita erzählte von einem Mal, dass Peter nachts im Bett stramm stand und salutierte. Sie hat auch darüber sehr gelacht.
Natürlich war das nicht die einzigste Rolle, die er in seiner Funktion ausübte, aber sicher die lustigste.
Peter war nach seiner Lehre und vor seinem Fernstudium 5 Jahre bei der Armee. Er war zu Besuch und mein Bruder Uwe hat mich mal wieder ordentlich geärgert. Das ganze draussen auf dem Hof. Ich schrie nach Peter um Hilfe und er kam in einem riesigen, elastischen Satz aus dem Küchenfenster gesprungen, noch in Uniform, und hat meinen Bruder an weiterem Tun gehindert. Er war mein großer Held! Dass auch er gutaussehend war versteht sich von selbst. Groß- 1,87 , wie Uwe, schlank, mittelbraune Locken und ein nettes Gesicht mit unseren typischen Mandelaugen. Auch er ist sich dessen nie bewusst gewesen, dass konnte ich später auch feststellen.
Er hat, als ich noch kleiner war, auch mal den Weihnachtsmann gegeben ohne dass ich ihn erkannt hatte. Er fragte, wie sich denn der Uwe mir gegenüber verhalte und ich sagte, dass er mich immer ärgere...was ja der Wahrheit entsprach. Da wollte der nette Weihnachtsmann den Uwe mit der Rute verdreschen, das tat mir dann aber doch leid und ich habe gesagt : "Nicht hauen". So hat man es mir überliefert. Ich selber erinnere mich daran kaum.
Aber der Küchenfenstersprung bleibt unvergessen.
Mein Bruder hatte eine Tochter Kirsten. Ein süßes Mädchen.
Leider bekam sie mit 9 eine rätselhafte Krankheit . Peter sagte, dass es Masernviren seien, die sich in ihrer Gehirnrinde festsetzen konnten und als sie mit 9 so schnell gewachsen ist, konnten sie sich ausbreiten. Die Kleine ist geistig immer mehr verfallen. Mein Bruder war immer ein liebevoller Vater. Er hat die Kleine auch gewickelt und gebadet. Sie war, verzeih Anita, ich glaube ein Papakind. Die Bindung zu Peter war noch inniger, sicher hat er ihr mehr durchgehen lassen.
Er hat sie auch als sie so krank war trockengelegt und war so liebevoll.
Es war bestimmt die Hölle für beide. Anita blieb eine ganze Weile zu Hause, bis sie sie zur Pflege in ein Krankenhaus gegeben haben. Mit 20 hatte Kirsten ausgelitten und ist gestorben. Manche Ehe ist über so eine harte Prüfung schon zerbrochen, aber die beiden haben auch das gemeistert.
Er ist Bürgermeister von Burg geworden. Ich glaube ein guter. War er sich doch auch dann nicht zu schade, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Gut- kein Beweis, aber ein wichtiges Indiz.
Zur Wende wollten sie ihn lünchen, haben es dann aber doch nicht getan.
Seit der Wende ist mir mein Bruder fremd geworden. Er, der immer am korrektesten war, redete in einer gar nicht zu ihm passenden Sprache.
Auch er hat mich verraten. Vielleicht ist es ihm leichter gefallen, weil er mir nach der Wende mal sagte, dass er keinen großen Wert auf seine Familie (sprich Mutter, Geschwister) lege. Das glaube ich ihm auch!
Inniger war er immer mit ihrer Familie. Mein gestrenger Vater hatte ihn wohl frühzeitig aus dem Haus getrieben.
sachmed - 22. Sep, 09:25
Sie ist 12 Jahre älter als ich.
Sie war sehr schön, meine Schwester. Schwarzhaarig, groß (1,74 war damals groß), schlank und lange Beine. Braune Mandelaugen, ein sinnlicher Mund.
Meine erste Erinnerung an sie ist, als sie mich jäh aus dem süßesten Schlaf gerissen hat und ins Schlafzimmer meiner Eltern schrie:" Swaantje hat mich vollgepullert". Meine Mutter antwortete müde:"Na, dann bring sie doch her".
Ich wurde umgezogen und kam in mein eigentliches Bett im Schlafzimmer, während ich nicht weiss, wie Hella den Rest der Nacht verbrachte. Jedenfalls konnte sie später darüber immer lachen.
Sie war sowieso eine humorvolle Person. Wie eigentlich alle Wittmänner bis auf meinen Vater, der etwas krampfhaft war.
Zum Baden sind wir immer mit dem Fahrrad gefahren. Ich saß auf dem Gepäckträger. War auch nicht immer ein Vergnügen, besonders nicht in dieser einen Straße, die abschüssig war und Holpersteine hatte. Es war aber auch so schön leicht da herunterzurollen, nur für mein Hinterteil nicht.
Wenn uns der Polizist erwischte ist sie abgestiegen, hat mit ihm geflirtet und dann um die Ecke ging es weiter wie bisher.
Oft ist sie hingefallen. Wenn ich dabei war haben wir immer sehr gelacht.
Ich bin später auch öfters mal hingefallen...waren es die Gene oder das hohe Schuhwerk?
Sie erzählte mir, dass wir in Magdeburg einen Unfall im Krankenwagen gehabt hatten,bei dem ich mir das Schlüsselbein brach. Wie wir in diesen Wagen kamen? Ich nehme an durch ihren Job, nämlich den einer Krankenschwester. An die schwarze Armbinde die ich eine Weile tragen musste, erinnere ich mich noch lebhaft.
Sie lief über den Hof zu Hause und musste niesen und alle Hühner nahmen schreiend reisaus. Das Bild habe ich immer noch vor mir, es war zu komisch.
Nicht komisch war, als sie mit dem Vater von Stephan geflirtet hat.
Sie lehnte sich zum Küchenfenster heraus während er da im Hof stand. Sie lächelte ihn an...lächelte er zurück? Ich weiß es nicht, es war auch so schon peinlich genug. Der Vater von Stephan kam einmal im Jahr aus dem Westen seinen Sohn besuchen. Er hat aber auch mit uns allen gespielt. Deshalb liebten wir ihn. Dass er gut ausgesehen hat war mir nicht so wichtig. Dennoch war ich über Hellas Benehmen das erste Mal peinlich berührt und empört.
Sie hat auch mit dem schönen Nachbarn, der über uns wohnte geflirtet. Er war ihre erste große Liebe, hat sie später erzählt. Ich hätte ihm keine 2 Millimeter getraut, stritt er sich doch ständig, lautstark mit seiner Frau.
Er wird schon ein kleiner Macho gewesen sein.
Ihren Mann lernte sie in der Milchbar kennen. Ich war dabei. Wir aßen dort Eisbecher und er saß am selben Tisch. Sie kamen ins Gespräch und er begleitete uns nach Hause. Zu Hause angekommen hatte ich natürlich nichts Eiligeres zu tun, als in die Wohnung zu laufen und laut zu tönen allen denen die es wissen und nicht wissen wollten, dass Hella einen Freund hat.
Später kam er dann auch so mal zu Besuch. Sie heiratete ihn und zog nach Leipzig.
Ich habe sie dort regelmäßig besucht. Meine Schwester ist eine warme Frau. Ich fühlte mich immer sehr wohl bei ihr als Kind. Bis ich irgendwann merkte, dass sie zwar warm wirkt, aber auch eiskalt sein kann.
So hat sie mir voll Freude erzählt, wie sie sich mir, als ich in die Krippe ging, am Fenster gezeigt hat und zufrieden abgezogen ist, wennn sie mich zum Heulen gebracht hatte. Denn ich wollte ja zu ihr- natürlich.
Das ist nun wirklich kein netter Zug. Nett war auch nicht, dass sie mir in einem Akt völliger Süffisance (nach einem Besuch in der Bar-wo ihr die gesamte Männlichkeit zu Füßen lag) sagte, dass sie sich den Mann, den ich mal haben würde, sollte er ihr gefallen, nehmen würde.
Das hat mich sehr getroffen. Zum Glück hat sie das nur einmal getestet bei meinem ersten, platonischen Freund in Leipzig. Ich war 17 und pubertär geplagt. Er kam uns bei ihr besuchen (sie war frisch geschieden). Sie flirtete sehr hemmungslos mit ihm. Das hat mich schon verletzt. Er fand sie gut- sie war ja auch wunderschön. Er hat sie besucht, das hat sie mir erzählt. Dennoch hat er mir geschrieben und nichts dergleichen verlauten lassen. Er wollte von ihr in Liebesdingen lernen, denn er war auch noch Jungfrau wie ich. Das hat er später zugegeben. Ich habe Schluss gemacht. Sie hat später immer betont, dass er ja eigentlich nur sie wollte.
So war sie...wie die Axt im Walde! Ich gönne ihr den Erfolg!
Mein Mann war entweder nicht ihr Typ, oder war was? Klaus hätte auf alle Fälle gewollt. Mitbekommen habe ich aber nicht das geringste.
Dafür wollte ihr Klaus mich so nebenbei vernaschen. Es war zu einer Feierlichkeit in Leipzig. Mein Mann war auch mitgekommen und wir schliefen im Kinderzimmer in getrennten Betten. Als ihr Klaus die Tür aufmachte und mich herauswinken wollte. Ich sagte nein- und er bettelte, dass ich Hella nichts davon erzähle. Habe ich auch eine ganze Weile nicht getan. Seine Skrupellosigkeit hat mich schon sehr erstaunt. Ich wollte Hella aber nicht weh tun. Schließlich hat sie diesen miesen Typen 2 Mal geheiratet. Nach der letzten Scheidung und ihren ewigen Schuldgefühlen, weil er sie liebte und sie ihn nicht, musste ich sie mal aufklären.
Auf die Idee, dass auch er sie betrogen haben könnte, kam sie nie.
Ansonsten war ihr Klaus auch nicht sehr familiär. Vielleicht etwas mehr als meiner, aber er hat auch immer gemacht was er wollte.
Meine Schwester ist eine hervorragende MTA gewesen. Das konnte ich sehen, wenn ich sie besuchte. Sie war die rechte Hand ihrer Ärztin und wusste mehr als sie eigentlich musste. Sie war auch uns oft mit Rat und Tat in gesundheitlichen Fragen behilflich.
Ab meinem 29. Jahr bin ich nur noch nach Leipzig zum Arzt gefahren, weil die einfach gründlicher waren. Wie zum Beispiel bei meinen damals häufigen Blasenentzündungen. Die taten sooo weh und meine Ärztin unterstellte mir, dass ich simuliere. Sie hat nie ein Mikroskop benutzt sondern immer nur den bloßen Augentest gemacht. In Leipzig kamen die Proben ins Labor!
Nach der Wende hatte sie mehr Glück als ich und behielt ihren Job und einen guten Verdienst bei ihrer Ärztin. Sie hatte auch wieder mehrere Affären, während ich schon (allerdings auf eigenen Wunsch bis 1989) auf dem Trockenen schwamm. Nach 89 lag es nicht mehr in meiner Hand, sondern in denen eines reichen Psychopathen. Aber das will ja keiner wissen.
Ihren Tod hat sie 5 Jahre bevor er eintrat angekündigt. Oder hat sie sich mal wieder vorm Krippenfenster versteckt?
sachmed - 21. Sep, 15:22