mein Opa!
Meine Mutter kommt aus Ostpreußen. Ein Marjelchen, ein echtes.
Sie kannte so lustige Liedchen in Plattdeutsch wie z. B. " Dat du mein Liebsten bist, dat du wohl weeist". Oder so ähnlich. Sie hat oft von ihrer Heimat erzählt, ohne Hass gegen die Russen, sondern mit Verständnis.
Viel hat sie über die wunderschöne Natur erzählt, Ihre Brüder, die immer "Hexlein" zu ihr sagten. Die hinaus fuhren mit dem Boot auf's Meer und sie mitnahmen, obwohl sie nicht schwimmen konnte.
Sie erzählte, dass sie Gänse gehütet hat, auf ihre Stiefschwestern aufpassen musste (ihre Mutter starb als sie 5 war). Dass sie eine Stiefmutter wie aus dem Märchen hatte, nämlich böse. Sie ließ an meiner Mutter kein gutes Haar und versuchte ihr Komplexe einzureden. "Du bist so hässlich wie deine Mutter" sagte sie zu ihr. Ich weiß kaum wie meine Oma aussah, aber häßlich nicht und meine Mutter sah ihrem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten aus. Ein slavischer Typ- mit breiten Wangenknochen und schrägen Augen. Die Schwester fiel in den Bach...Mutter musste das ausbaden. Die Brüder hölten das frischgebackene Brot aus und setzten den Kanten wieder auf. Das gab Senge der Reihe nach.
Meine Mutter hat sicher zu wenig Liebe als Kind bekommen. Auf ihren Vater war sie auch sauer. Jedes Jahr ein Kind. Ihre Stiefmutter tat ihr leid. Die musste auch rackern, kochen, putzen und nähen. Sie sahen damals alle recht abgearbeitet aus.
Ihr Vater war ein Linker. Ob er Kommunist oder Sozialist war, weiß ich leider nicht. Aber er hat Hitler und alles was damit zusammenhing verdammt.
Ich bin stolz auf ihn. Als ich vor 4 Jahren das erste mal sein Foto sah, hat es mich sehr berührt. Ich habe ihn sofort erkannt. Einst hatte ich eine Maske aus Ton für meine Mutter gemacht, da sagte sie, dass die wie der Opa aussieht. Und genauso war es auch. Ein gezwirbelter Bart,ein slavischer Typ wie man sie aus Filmen kennt. Stark und spröde wie ein Fels in der Brandung, aber auch so verletzbar und müde finde ich ihn da.
Ganz anders als Mutter ihn charakterlich beschrieben hat. Alles andere als ein "Lustbock". Ich schreibe das den fehlenden Zärtlichkeiten in der Kindheit zu. Er sah nicht aus, wie einer der Zeit gehabt hätte noch Kinder mit anderen Frauen zu haben, aber auch keine, seine Kinder zu knuddeln. Das hätte die Mutter tun müssen und die war eine Stief.
Mein Opa wurde am Feldwegrand überfahren. Man munkelte, dass es Nazis waren.
Meine Mutter hatte eine abenteuerliche Flucht auf der Gustlow überlebt, mit ihren damals 2 Kindern. Aber das steht auf dem anderen Blog.
Es muss ein hartes Leben gewesen sein, was mein Opa führte. 12 Kinder zu ernähren war bestimmt alles andere als leicht.
Meine Mutter konnte die besten Königsberger Klopse kochen die ich je gegessen habe. Ich habe auch für meinen Mann welche gekocht, sie waren nicht schlecht, aber irgend so eine Kleinigkeit hat immer gefehlt, um an die meiner Mutter heran zu kommen.
Ich würde gerne nach meinen Ahnen forschen. Die Ur-Ur-Ur -Großmutter meiner Mutter kam aus Norwegen und hieß auch Swaantje.
Warum kam sie nach Königsberg? War es aus Liebe zu einem Matrosen, so wie meine Mutter nach Staßfurt kam?
Oder war es vielleicht Kaiser Wilhelm, der die norwegischen Handwerker mit nach Königsberg nahm, um dort Siedlungen bauen zu lassen?
Wer hat meinen Opa umgebracht? Wer hat ihn überfahren und liegen gelassen? Wenn ich mir die Fotos von Pobethen so ansehe, gab es da auch viele Nazis und manche Gerüchte sind auch ein bisschen wahr. Ich könnte es mir vorstellen. Aber klären wird man das wohl nicht mehr.
Es sei denn jemand hat vielleicht noch vor seinem Tod sein Gewissen erleichtert. Aber an die Möglichkeit glaube ich eher nicht.
Ich möchte nach Pobethen fahren und forschen. Ich würde auch gerne zur besseren Verständigung zwischen Russen und Deutschen beitragen.
Wir haben uns genug Leid zugefügt. Die Russen sind bis zu einem gewissen Grad bereit, uns unsere Schuld zu vergeben (die doch weitaus größer war, haben die Russen doch allein 20 Mio. Tote und Vermisste zu beklagen) . Wir müssen das auch, haben wir doch dieses Elend angezettelt.
Es soll in Königsberg langsam voran gehen und die Deutschen helfen auch ohne Arroganz, sondern aus alter Heimatverbundenheit. Natürlich haben sich auch viele Nazis in die "Vertriebenen- Vereine" eingeschmuggelt. Schon deshalb würde ich nie in einen solchen eintreten. Aber es gibt dort auch schon fortschrittlichere Töne. Hoffen wir, dass wir es schaffen, die Nazibrut zu vertreiben. Aber dazu ist noch sehr viel Aufklärungsarbeit von Nöten!
Man muss die Verunglimpfungen, die im Ostpreußenblatt veröffentlicht werden, und offensichtlich dem Gedankengut alter Nazis entspringen, richtig stellen und ihre Lügen entlarven. Denn die verbreiten die dort ungeniert und schüren weiter den Hass. Besser liest sich da der "Königsberger Express"!
Friedensformel
Baut viele Brücken!
Reicht euch die Hand!
Über die Brücken
Kommt ihr zum Strand
Kommt ihr hinieden
Endlich zum Frieden
Nutzt den Verstand
Baut viele Brücken
von Gert O. E. Sattler
Sie kannte so lustige Liedchen in Plattdeutsch wie z. B. " Dat du mein Liebsten bist, dat du wohl weeist". Oder so ähnlich. Sie hat oft von ihrer Heimat erzählt, ohne Hass gegen die Russen, sondern mit Verständnis.
Viel hat sie über die wunderschöne Natur erzählt, Ihre Brüder, die immer "Hexlein" zu ihr sagten. Die hinaus fuhren mit dem Boot auf's Meer und sie mitnahmen, obwohl sie nicht schwimmen konnte.
Sie erzählte, dass sie Gänse gehütet hat, auf ihre Stiefschwestern aufpassen musste (ihre Mutter starb als sie 5 war). Dass sie eine Stiefmutter wie aus dem Märchen hatte, nämlich böse. Sie ließ an meiner Mutter kein gutes Haar und versuchte ihr Komplexe einzureden. "Du bist so hässlich wie deine Mutter" sagte sie zu ihr. Ich weiß kaum wie meine Oma aussah, aber häßlich nicht und meine Mutter sah ihrem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten aus. Ein slavischer Typ- mit breiten Wangenknochen und schrägen Augen. Die Schwester fiel in den Bach...Mutter musste das ausbaden. Die Brüder hölten das frischgebackene Brot aus und setzten den Kanten wieder auf. Das gab Senge der Reihe nach.
Meine Mutter hat sicher zu wenig Liebe als Kind bekommen. Auf ihren Vater war sie auch sauer. Jedes Jahr ein Kind. Ihre Stiefmutter tat ihr leid. Die musste auch rackern, kochen, putzen und nähen. Sie sahen damals alle recht abgearbeitet aus.
Ihr Vater war ein Linker. Ob er Kommunist oder Sozialist war, weiß ich leider nicht. Aber er hat Hitler und alles was damit zusammenhing verdammt.
Ich bin stolz auf ihn. Als ich vor 4 Jahren das erste mal sein Foto sah, hat es mich sehr berührt. Ich habe ihn sofort erkannt. Einst hatte ich eine Maske aus Ton für meine Mutter gemacht, da sagte sie, dass die wie der Opa aussieht. Und genauso war es auch. Ein gezwirbelter Bart,ein slavischer Typ wie man sie aus Filmen kennt. Stark und spröde wie ein Fels in der Brandung, aber auch so verletzbar und müde finde ich ihn da.
Ganz anders als Mutter ihn charakterlich beschrieben hat. Alles andere als ein "Lustbock". Ich schreibe das den fehlenden Zärtlichkeiten in der Kindheit zu. Er sah nicht aus, wie einer der Zeit gehabt hätte noch Kinder mit anderen Frauen zu haben, aber auch keine, seine Kinder zu knuddeln. Das hätte die Mutter tun müssen und die war eine Stief.
Mein Opa wurde am Feldwegrand überfahren. Man munkelte, dass es Nazis waren.
Meine Mutter hatte eine abenteuerliche Flucht auf der Gustlow überlebt, mit ihren damals 2 Kindern. Aber das steht auf dem anderen Blog.
Es muss ein hartes Leben gewesen sein, was mein Opa führte. 12 Kinder zu ernähren war bestimmt alles andere als leicht.
Meine Mutter konnte die besten Königsberger Klopse kochen die ich je gegessen habe. Ich habe auch für meinen Mann welche gekocht, sie waren nicht schlecht, aber irgend so eine Kleinigkeit hat immer gefehlt, um an die meiner Mutter heran zu kommen.
Ich würde gerne nach meinen Ahnen forschen. Die Ur-Ur-Ur -Großmutter meiner Mutter kam aus Norwegen und hieß auch Swaantje.
Warum kam sie nach Königsberg? War es aus Liebe zu einem Matrosen, so wie meine Mutter nach Staßfurt kam?
Oder war es vielleicht Kaiser Wilhelm, der die norwegischen Handwerker mit nach Königsberg nahm, um dort Siedlungen bauen zu lassen?
Wer hat meinen Opa umgebracht? Wer hat ihn überfahren und liegen gelassen? Wenn ich mir die Fotos von Pobethen so ansehe, gab es da auch viele Nazis und manche Gerüchte sind auch ein bisschen wahr. Ich könnte es mir vorstellen. Aber klären wird man das wohl nicht mehr.
Es sei denn jemand hat vielleicht noch vor seinem Tod sein Gewissen erleichtert. Aber an die Möglichkeit glaube ich eher nicht.
Ich möchte nach Pobethen fahren und forschen. Ich würde auch gerne zur besseren Verständigung zwischen Russen und Deutschen beitragen.
Wir haben uns genug Leid zugefügt. Die Russen sind bis zu einem gewissen Grad bereit, uns unsere Schuld zu vergeben (die doch weitaus größer war, haben die Russen doch allein 20 Mio. Tote und Vermisste zu beklagen) . Wir müssen das auch, haben wir doch dieses Elend angezettelt.
Es soll in Königsberg langsam voran gehen und die Deutschen helfen auch ohne Arroganz, sondern aus alter Heimatverbundenheit. Natürlich haben sich auch viele Nazis in die "Vertriebenen- Vereine" eingeschmuggelt. Schon deshalb würde ich nie in einen solchen eintreten. Aber es gibt dort auch schon fortschrittlichere Töne. Hoffen wir, dass wir es schaffen, die Nazibrut zu vertreiben. Aber dazu ist noch sehr viel Aufklärungsarbeit von Nöten!
Man muss die Verunglimpfungen, die im Ostpreußenblatt veröffentlicht werden, und offensichtlich dem Gedankengut alter Nazis entspringen, richtig stellen und ihre Lügen entlarven. Denn die verbreiten die dort ungeniert und schüren weiter den Hass. Besser liest sich da der "Königsberger Express"!
Friedensformel
Baut viele Brücken!
Reicht euch die Hand!
Über die Brücken
Kommt ihr zum Strand
Kommt ihr hinieden
Endlich zum Frieden
Nutzt den Verstand
Baut viele Brücken
von Gert O. E. Sattler
sachmed - 8. Aug, 11:08
